swissuniversities Educational Technologies Studienreise USA - Tag 5

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Das HTW Blended Learning Center besucht im Rahmen der ersten Studienreise digital learning gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schweizer FHs in Boston und San Francisco Institutionen und Unternehmen, in denen digitale Lerntechnologien eingesetzt werden.

Am letzten Tag der Studienreise wurden verschiedene Ansätze zum Umsetzung von digitalen Strategien diskutiert. Am Vormittag war die Delegation beim Berkley Resource Center for Online Education und hat im Anschluss das neue Minerva College besucht. Den Abschluss machte der Austausch mit Vertretern des Wikimedia Educational Programs, bei dem der sinnvolle Einsatz von WikiPedia im Unterricht Thema war.

Berkley Resource Center For Online Education

Am Vormittag waren wir an einer weiteren Traditionsuniversität der USA: Berkley University. Dort waren wir zu Gast bei der Berkley Extension. Die Berkley Extension fokussiert auf untypische Studierende. Dies sind überwiegend Fachkräfte mit Berufserfahrung. Die Berkley Extension bietet 72 Weiterbildungsangebote an und hat über 30'000 Teilnehmer. Diese Angebote entsprechen im Wesentlichen den CAS und MAS Programmen der Schweizer Hochschulen. Gleichzeitig ist die Berkley Extension Selbsttragend, d.h. formal ist sie nicht Teil der Hochschule und erhält auch keine Unterstützung für die Aus- und Weiterbildung.

Seit 2000 gibt es das Berkley Resource Center for Online Education und seit 2012 hat Berkley eine Gesamtinstitutionelle Online-Strategie. Das Berkley Resource Center ist Teil der Berkley Extension und entsprechend ist auch das Resource Center for Online Education selbsttragend. Am Resource Center arbeiten ca. 50 Mitarbeiter, von denen etwa 20 für die didaktische Konzeption und Feinarbeit der Angebote beschäftigt sind. Mit der online Strategie hat das Resource Center die Verantwortung für online Lernangebote und Infrastrukturen von der zentralen IT in Berkley übernommen, weil deutlich wurde, dass sich online Aus- und Weiterbildung nicht ausschliesslich auf technische Funktionen reduzieren lässt. Von dieser Strategie erhofft sich Berkley einen Transfer von online Strategien in die konventionelle akademische Lehre.

Das Berkley Resource Center stellt sicher, dass online Lernangebote an der Berkley Universität sich nicht organisch als „Wildwuchs" entwickeln. Zusätzlich sichert das Resource Center die wirtschaftliche Tragfähigkeit der neuen online Angebote. Die Rolle des Resource Centers in der online Strategie ist die einer Zentralen Fachstelle und Expertisezentrums für alle Professoren und Dozierenden in Berkley. Anders als die anderen besuchten Institutionen setzt Berkley nicht auf MOOCs. Stattdessen stehen kleine personalisierte online Angebote im Zentrum der Arbeiten. Dazu gehören inzwischen drei online Masterprogramme mit Schwerpunkt auf die berufliche Weiterqualifikation, von denen der erste 2015 gestartet wurde.

Die Herausforderungen vor denen das Berkley Resource Center steht sind sehr hohe Qualitätsanforderungen, lange Entwicklungszyklen (3 Jahre für ein online Masterprogramm) sowie die Forderung der Hochschule, dass die Module genauso wie konventionelle Universitätsangebote durchgeführt werden. Der letzte Punkt führt dazu, dass die online Kurse keine günstigere Durchführung ergeben, weil die Anzahl der Studierenden trotz vorhandener Technologien und Didaktiken nicht erhöht wird. Gleichzeitig machen die online Kurse auch keine Verluste, weil die Kosten für das Angebot ebenfalls genauso hoch sind wie bei Angeboten im Kontaktmodus.

Minerva College

Nach der Berkley Universität haben wir das Minerva College besucht. Dieses junge College ist eine private und profitorientierte Bildungsinstitution, die Bachelor- und in Zukunft auch Masterprogramme anbietet. Minerva stellt sich als „erstes wirklich globale Bildungsinstitution" dar und positioniert sich mit drei zentralen Besonderheit: Mobilität, digitale Technologien und Kreativität. Die drei- bis vier-jährigen Studiengänge führen die ca. 200 Studierenden in bis zu sieben Grossstädte. Dabei reisen die Studierenden immer als grosse Gruppe und wohnen am Zielort gemeinsam. Die Dozierenden begleiten die Studierenden dabei nicht, sondern befinden sich über den Globus verteilt.

Projektbasierte Arbeiten sollen den Studierenden helfen sowohl ihre akademischen Leistungen als auch Erfahrungen in einem internationalen Umfeld zu sammeln. Dabei dienen selbstorganisierte Projekte als Motor für die Kreativität der Studierenden. Die Erwartungen an die Studierenden sind in Kompetenzprofilen abgebildet und werden mit Hilfe sogenannte Rubrics prozessbegleitend von den Dozierenden bewertet. Trotz Projektorientierung kommt Minerva nicht ohne Unterricht aus. Von den Studierenden wird erwartet, dass sie ca. 12 Stunden pro Woche an Seminaren teilnehmen, die durch ca. 30 Stunden Selbststudium ergänzt werden. Der Unterricht findet in einer online Lernumgebung und als Videokonferenzen mit den Dozierenden statt, konventionellen Kontaktunterricht gibt es bei Minerva nicht.

Interessant bei der Planung und Umsetzung der Curricula ist, dass das Unterrichten, die Unterrichtskonzeption und die Leistungsbewertung personell getrennt sind. Die Dozierenden sind also nicht für die Auswahl und Entwicklung der Lehrmittel oder der Lernziele verantwortlich. Vielmehr soll sich ein Expertenteam aus Fachexperten und didaktischen Designern voll auf die Entwicklung und Verbesserung der Angebote konzentrieren können. Die Rolle der Dozierenden ist dabei ausschliesslich die Betreuung und das Coaching der Studierenden beschränkt.

Wikimedia Foundation

Der Besuch bei der Wikimedia Foundation schloss die Studienreise ab. Die Wikimedia Foundation ist das Rückgrat von WikiPedia und einer Reihe anderer freier Wissens- und Informationsdienste. Bei WikiMedia haben wir uns mit den Mitarbeitern des WikiMedia Educational Programs getroffen und mehr über Konzepte und Aktivitäten zur Nutzung von Wikipedia und verwandten Diensten im Unterricht erfahren.

Für das Educational Program von Wikimedia ist es wichtig, dass das Missverständnis ausgeräumt wird, dass WikiPedia eine geeignete Quelle für wissenschaftliche Arbeiten ist. „Früher wäre auch keiner auf die Idee gekommen, Artikel aus dem Webster's Dictionary zu zitieren". Es ist deshalb wichtig, dass Lehrende Schülern und Studierenden die Funktion von WikiPedia als allgemeinverfügbares Wissenswerkzeug vermitteln. Dazu unterstützt die Wikimedia Stiftung verschiedene Initiativen die Lernaktivitäten für die Nutzung von WikiPedia und die Entwicklung von Werkzeugen, damit Lehrende die Leistungen ihrer Schüler und Studierenden nachvollziehen können.

Die Hauptlernziele, die mit WikiPedia verbunden werden können, sind strukturiertes Erklären, sprachlicher Ausdruck, Bewertung und Verbesserung der Qualität von Inhalten sowie das Recherchieren und Integrieren von externen Quellen in bestehende Inhalte. Daneben können über WikiPedia auch andere Fragen erörtert werden. Dazu gehören ethische Fragen in Bezug auf Informationsfreiheit in der Wissensgesellschaft, Kollaboratives Arbeiten oder Urheberrecht und offene Lizenzen.

Bei der Arbeit mit WikiPedia stehen die Lernaktivitäten im Zentrum. Diese Lernaktivitäten stellen den Umgang und Erstellung von Informationen in den Vordergrund. Dadurch sollen Schüler und Studierende lernen, wie sie sich als Akteure in die Informationsgesellschaft einbringen können und keine Informationskonsumenten bleiben. Weil WikiPedia jedoch eine sehr dynamische Umgebung ist, fällt es Lehrenden oft schwer, die Leistungen ihrer Studierenden zu verfolgen und zu beurteilen. Spezielle Auswertungswerkzeuge helfen, die Lernergebnisse für eine Beurteilung des Lernerfolgs sichtbar zu machen.

Um die Arbeit mit WikiPedia im Unterricht zu erleichtern, sammelt die Wikimedia Stiftung Fallbeispiele, Werkzeuge und Praktiken, die wiederum als freie Quellen verfügbar sind.