swissuniversities Educational Technology Studienreise USA - Tag 2

Das HTW Blended Learning Center besucht im Rahmen der ersten Studienreise digital learning gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schweizer FHs in Boston und San Francisco Institutionen und Unternehmen, in denen digitale Lerntechnologien eingesetzt werden.

Am zweiten Tag standen Besuche bei edX, NuVu, LearnLaunch und der FabLab Foundation auf dem Programm. Die Besuche hatte "Ergebnisorientierung" als roten Faden. Die Themen des Tages waren der Wandel des Bildungssystems durch digitale Technologien, problem- und projektorientiertes Lernen und bildungstechnologische Entrepreneurs.

edX und MOOCs 2.0

Bei EdX stand der technologiegetriebene Wandel aller Bereiche des Lebens im Zentrum. Bildungssysteme und -Institutionen bleiben davon nicht verschont. Die MOOC Plattform edX ist ursprünglich gestartet, um das Präsenzstudium mit Hilfe digitaler Technologien zu verbessern. Die Technologie darf dabei nicht nur als Distributionsplattform verstanden werden, sondern muss das Erreichen der Lernergebnisse unterstützen. Obwohl edX MOOCs von vielen Studierenden eigenständig besucht werden, ist es das erklärte Ziel von edX mit Hilfe von MOOCs das Blended Learning in den Universitäten weltweit zu unterstützen. Dazu wird ein Umdenken bei der Gestaltung von Lerneinheiten notwendig. Während derzeit MOOCs auf der edX Plattform überwiegend Unterrichtsveranstaltungen im Semesterverlauf abbilden, müssen die Angebote in kleinere Aktivitäten gegliedert werden, so dass Dozierende und Studierende die online Komponenten in ihre Didaktiken einbetten und damit ihre Angebote flexibler gestalten können.

Laut edX müssen wir das traditionelle Lehrbuch/Skript-Denken überwinden und die Lernaktivitäten mit konkreten Lernergebnissen in den Mittelpunkt stellen, um erfolgreiches und attraktives Lernen zu unterstützen. Für online Komponenten sind dabei drei Facetten zu berücksichtigen:

  • Die geeignete Abbildung von Lernaktivitäten in digitalen Medien.
  • Die Abstimmung von Lernergebnissen und Lernaktivitäten.
  • Die Strukturierung von Lernwegen, die auf persönliche Lernziele oder akkreditierte Abschlüsse.

Diese Strukturierung soll es Hochschulen erleichtern, absolvierte MOOCs als Teil des Studiums anzuergekennen. Gleichzeitg erlauben solche klein teiligeren Angebote eine Flexibilisierung und Personalisierung von Lernangeboten mit Hilfe von Technologien wie Learning Analytics und Vorschlagssystemen, mit denen Studierenden Anschlusspunkte an ihre bisherigen Studien aufgezeigt werden können.

Abschliessend stellt edX fest, dass sich global ausrichten müssen, damit Universitäten in diesen neuen Dimensionen von digitalen Lernangeboten erfolgreich sein können.

Problemorientiertes Lernen und Portfolioentwicklung bei NuVU

Eine ganz andere Perspektive auf Blended Learning wurde uns bei NuVu geboten. NuVu ist eine Mittelschule mit Technologieschwerpunkt (Computer, Internet, Robotik, Internet of Things), in der ausschliesslich projektbasiert gelernt wird. Die Studierenden arbeiten in sogenannten Studios an vorgegebenen und selbstdefinierten Projekten. Die Schüler werden nach und nach an komplexere technische Probleme herangeführt, die sie selbstständig lösen und umsetzen müssen, wobei die Projekte zeitlich beschränkt sind und zwischen wenigen Wochen und einem ganzen Schuljahr dauern. Gruppenarbeit und gegenseitiger Austausch sind dabei genauso wichtig, wie kreatives Ideentesten und Experimentieren. Diesen Prozess unterstützen die Lehrer in dem sie Zusammenhänge zwischen den Projekten herstellen, helfen Projekte in Arbeitsschritte zu gliedern und wie ein Kunde neue Anforderungen in den Prozess einbringen.

Im Rahmen ihrer Projekte müssen die Schüler bestimmte vorgegebene Milestones einhalten. Dadurch wird sichergestellt, dass sie ein ausgewogenes Kompetenzprofil entwickeln. Klassische Prüfungen gibt es bei NuVu nicht. Stattdessen entwickeln die Schüler ein Projektportfolio aus denen sich ihre Leistungen ablesen lassen. Der Lernerfolg hängt vom Projekterfolg ab. In diesem Modus fehlt die Möglichkeit des Prüfungsbetrugs, auch deshalb weil die Problemstellungen nicht wiederholt werden.

NuVu hat mehrere mit Glas getrennte Studios, die wie Werkstätten aussehen, in denen es vor Elektromotoren, Elektronikplatinen, 3D-Druckern und Computern nur so wimmelt. Es gibt vollgeschriebene und mit Skizzen bemalte Tafeln. Auffällig ist jedoch, dass Bücher völlig fehlen. Auf Rückfrage wird bestätigt, dass die Schüler aus ihren Projekten heraus Fragen entwickeln und Antworten im Internet recherchieren. Diesen Prozess behindert die Struktur von Lehrbüchern, die einen Lernweg vorwegnehmen oder Inhalte didaktisch verkürzen.

FabLabs und die gesellschaftliche Dimension technologischer Innovation

Im zweiten Teil zum problemorientierten Lernen mit digitalen Technologien stand ein Besuch im ersten FabLab der FabFoundation auf dem Programm. Bei den FabLabs steht weniger die formale Bildung im Vordergrund als das Lernen und Vermitteln als Teil der informellen Gemeinschaftsbildung. Dabei streben die FabLabs die allgemeine Befähigung digitale Technologien und Anwendu g von Produktionstechniken im Alltag an. In diesem Sinn verfolgen die FabLabs nach dem Motto "How to create almost everything" die Befähigung der gesamten Gesellschaft.

Die Aktivitäten in den FabLabs beinhalten immer einen Vermittlungsteil, in denen Interessierte aus allen Altergruppen im Umgang mit verschiedenen Technologien befähigt werden und sich gegenseitig bei der Umsetzung von Projektideen unterstützen. Ein wichtiger Teil der Arbeit in den FabLabs ist eine offene Fehlerkultur. Gerade im Umgang mit den digitalen Technologien ist das wichtig, weil es für viele Ideen noch keine Musterlösungen gibt, oder weil verschiedene Arbeitstechniken und Technologien neu kombiniert werden.

Bildungstechnologien beschleunigen mit LearnLaunch

Die Delegation hat abschliessend den Bildungstechnologie-Accellerator LearnLaunch besucht. LearnLaunch unterstützt ausschliesslich Startups mit bildungstechnologischen Geschäftsideen. LearnLaunch verbindet einen Co-working Space mit einem Business Angel Konzept, um speziell bildungstechnologische Startups durch eine besondere und integrierende Arbeitsumgebung zu entwickeln. Damit soll der besonderen Herausforderung des Bildungsmarktes begegnet werden, die von Startups ein wesentlich längeres Durchhaltevermögen erfordert als in anderen Bereichen. Ein wichtiger Punkt in der Ausrichtung von LearnLauch ist die Entwicklung eines Ökosystems für bildungstechnologische Unternehmen, in dem sie nicht in Konkurrenz stehen, somdern sich gegenseitig ergänzen können.

Bevor ein Startup von LearnLaunch unterstützt wird, sind folgende Kriterien wichtig:

  1. Analyse der Geschäftsidee in Bezug auf das Markpotential im Bildungssektor.
  2. Innovative Ideen für einen Bildungssektor.
  3. Skalierbarkeit der Ideen durch die genutzte Technologie.
  4. Vision und Ergebnisorientierung des Startup Teams.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Bildungstechnologien nicht nur den Lerntools und Inhalte abdecken und auf einen regionalen Markt beschränkt sind. Stattdessen gibt es im Bereich der Schulen, der Universtäten, der Aus- und Weiterbildung und des betrieblichen Lernens viele organisatorische und operative Herausforderungen, die durch Technologien verbessert werden können aber nur indirekt mit Lernprozessen verknüpft sind. Laut LearnLaunch gibt es dabei kaum echte regionale oder nationale Barrieren für eine bestimmte Technologie. Die Barrieren finden sich eher auf adminitrativen und regulatorischen Ebenen. Aus diesem Grund fordert LearnLaunch von ihren Startups eine globale Perspektive auf Lern- und Bildungsprobleme.

Für LearnLaunch ist diese Orientierung nicht nur auf Startups beschränkt. Vielmehr werden auch lokal und regional operierende Institutionen Schwierigkeiten haben, wenn sie in ihren Angeboten die globale Perspektive nicht antizipieren.